Die Familie Rittel, später Rüdel.
Die Familie der Rüdels wurde in Bottrop von Joannes Rittel begründet.
Er stammte aus Horhausen im Westerwald. (heute 56593 Horhausen) und wurde dort am 29.7.1784 geboren und ist vermutlich Anfang des 19.
Jahrhunderts nach Bottrop
übersiedelt. Seine Eltern waren Joannes Rittel und Maria Magdalena Klein.
Im Mai 2000 sind wir in Horhausen im Westerwald und im Bistumssarchiv in Trier den Spuren der Rittels nachgegangen und haben, soweit
möglich, die Vorfahren
auch gefunden. Der Name der Rittels variierte in jedem Kirchenbucheintrag.
So fanden wir Rüthels, Rithel, Rüdell, Rüthel, Rietl und Riedel,
je nachdem, wie der Pfarrer den Namen interpretierte. Leider haben wir in
diesen Kirchenbüchern, bei unseren Vorfahren, keine Berufsangabe gefunden,
so dass wir nicht wissen, wie unsere Vorfahren ihr Brot verdient haben.
Kirchenbucheinträge anderer Bürger enthielten jedoch Berufsangaben.
So lebten in dieser Gegend Bergarbeiter, Schneider, Müller, Bauern, Köhler,
Tagelöhner, Zimmermänner, Eisenschmiede, und Lehrer, also alles
Berufe, die auch in anderen Gegenden vorkommen.
Einige Kilometer westlich von Horhausen lag in Willroth das Erzbergwerk, Grube Georg, wo bis 1965 noch Eisenerz gefördert wurde. Als unübersehbarer
„Wegweiser“ an der A3 Köln/Frankfurt steht heute noch ein
stummer Zeuge aus jener Zeit des Erzbergbaues im Siegerland – der über
70 m hohe Förderturm dieser Grube. Vielleicht haben unsere Vorfahren
dort ihr Geld verdient, vielleicht aber waren sie auch in der Landwirtschaft
tätig. Aus den Kirchenbüchern von Bottrop wissen wir, dass unser Ur-Ur Ahne Joannes Rittel von Beruf Kohlbrenner (Köhler) war und
möglicherweise in der alten Heimat Holzkohle herstellte, dass für
die Verhüttung des Eisenerzes notwendig war.
In Bottrop bewirtschaftete er außerdem noch einen Kotten. Rüdels
Kotten lag im Bereich des heutigen Autobahn- Kreuzes Bottrop. 200 Meter nördlich
davon liegt, auch heute noch, Waltmans Kotten. Vom Waltmans Kotten holte sich mein Ur- Ur- Großvater seine Frau, Francisca Waltman. Sie heirateten
am 24.1. 1808 in Bottrop.
Joannes hatte noch 2 ältere Brüder, Wilhelm und Christian, die ebenfalls
in unsere Region übersiedelten. Wilhelm Rittel heiratete 1803 Christiane
Waltman, eine Verwandte von Francisca. Beide lebten in Osterfeld.
Christian Rittel heiratete 1803 Agnes Waltman, eine Schwester von Francisca.
Christian Rittel, später auch Kleine Bremer genannt, bewirtschaftete
etwa 650 Meter südlich vom 1. Rüdel - Kotten den 2.Rüdel -
Kotten. Der letztere lag an der heutigen Kirchhellener Straße im Bereich
der Richard - Wagner- Grundschule.
Am 28. Mai 1891 verkaufte ein Nachkomme von Christian Rittel, der Kötter
Bernard Rüdel gen. Kleine Brömer ein Stück Land, ca. 41 ar
für Schulzwecke an die Stadt Bottrop. Der Kaufpreis betrug damals 1204
Mark und 50 Pfennig. (ca. 29 Pfennig je qm).
Der 5. Sohn von Christian Rittel und Agnes Waltman, Johann Wilhelm Rittel
heiratete am 27.10.1842 in Kirchhellen Anna Maria Stratman. Diese beiden sind die Vorfahren der heutigen Rüdels in Kirchhellen. Im
Telefonbuch findet man in Kirchhellen 6 Einträge mit dem Namen Rüdel.
Nun zurück zu Joannes Rittel und Maria Francisca Waltman, unsere ersten
Rittels Ahnen in Bottrop. Die beiden hatten 10 Kinder. Das 5. Kind, Ignatz
Rittel, mein Ur-Großvater, erbte den Kotten. Sein Beruf gab er mit Pferdekötter
an. Ein Pferdekötter ist zu der Zeit ein kleiner Vollerwerbs- Siedler,
der mit Pferden arbeitet.
Ignatz Rittel heiratete am 25.11.1845 Agnes Große Boyman, eine Tochter
vom Boyman Hof. Beide hatten 6 Kinder. Es ist die erste Generation, die im
Taufregister mit dem Namen Rüdel eingetragen wurden. Der 2. Sohn, Johann
Ignatz Anton erbte den Kotten.
Mein Großvater Bernhard Rüdel lernte den Beruf des Drehers. Er
arbeitete beim größten Arbeitgeber in Essen, der Firma Krupp.
Im 1. Essener Adressbuch von 1887, fand ich seine Adresse, Nasse Gärten
Nr. 14. Die Häuser Nr.8 - 14 gehörten der Firma Krupp. Diese
Straße gibt es heute nicht mehr. Sie lag in der Nähe des Limbecker
Platzes zwischen der Fronhauser Straße und der Fa. Krupp. Von 1891 bis
1895 wohnte er in der HeinickestraßeNr.24. Hier wurde auch meine Mutter
geboren.
Bernhard Rüdel heiratete am 3.6.1887 meine Großmutter Marie Gertrud
Kirschbaum. Sie hatten 3 Kinder, Bernhard, Mathilde, meine Mutter und Elisabeth.
Es ist die Generation meiner Eltern.
Ich kenne meinen Großvater nur als pensionierten Gastwirt, der in Altenessen
in der Krabbler Straße Nr. 136 im 1. Stock wohnte. Wie oben erwähnt,
hat er bis 1895 in der Heinickestraße gewohnt.
1896 ist kein Bernhard Rüdel mehr in Essen gemeldet. Er wird um 1896
- 1899 die Gaststädte in Altenessen erworben haben. 1893 starb sein Vater
und 1899 starb seine Mutter. Vielleicht hat er mit seinem Erbteil den Erwerb
der Gastwirtschaft finanziert.
1912 erschien das erste Essener Adressbuch mit Umgebung. Hier war Bernhard
Rüdel in Altenessen, Annastraße 136 gemeldet. 1916 wurde Altenessen
zu Essen eingemeindet. Die Annastraße wurde in Krabblerstraße
umbenannt.1923 geht mein Großvater in den Ruhestand und sein Sohn Bernhard
jun. wird erstmals im Adressbuch als Gastwirt genannt.
Bernhard Rüdel jun. hat Konditor gelernt. Auch ihn findet man 1907 im
Essener Adressbuch als Konditor in der Rüttenscheider Straße Nr.
183. Er war zu diesem Zeitpunkt etwa 19 Jahre alt.
Bernhard Rüdel jun. heiratete Änne Braschoß. Sie hatten 2
Kinder, einen Sohn Bernhard und eine Tochter Margret, die in den 30er Jahren
an Blutvergiftung verstarb.
Bernhard Rüdel (der Dritte) heiratete um 1946 Eva Wasserfuhr. Er war
Zahnarzt und betrieb eine Praxis in Lensahn in Holstein. Ihr einziger Sohn,
Hans, wurde 1948 geboren. Er ist Augenoptikermeister und betreibt heute ein
Fachgeschäft in Oldenburg (Holstein).
Mathilde Rüdel, meine Mutter, das zweite Kind von Bernhard und Gertrud
Rüdel, heiratete 1924 Heinrich Meiering, einen Beamten. Beide hatten
2 Kinder, Gisela Katharina und mich, Heinrich Günter.
Elisabeth Rüdel, das dritte Kind, heiratete um 1922 Wilhelm Pörtgen
Sie hatten 3 Kinder, Grete, Willi und Helga. Beide betrieben ab 1922 bis1936
eine Gastwirtschaft in Altenessen, Bruckmannstraße 143. 1936 eröffneten
sie in Essen Kray, Krayer Straße 302 eine neue Gastwirtschaft, die auch
heute noch in Familienbesitz ist. Inhaber ist Helga Helwig geb. Pörtgen.
Quellen:
Als Quelle für die Ahnenforschung in Bottrop standen die alten Kirchenbücher
von St. Cyriacus zur Verfügung.
Eine weitere Quelle war das Standesamt IV in Essen-Steele, Dreiringplatz 10.
Hier bekam ich die beiden Sterbeurkunden meiner Großeltern, die im Marienheim
in Essen- Überruhr verstarben.
Beim Standesamt Essen I bekam ich die Heiratsurkunde meiner Großeltern.
Eine weitere Quelle waren die Kirchenbücher von St. Gertrudis in Essen,
die wir jedoch nicht selbst einsehen durften. Ich bekam vom Pfarramt Auszüge
aus den Kirchenbüchern.
Eine Ur Ur Großmutter stammte vom Buschforts Hof in Gladbeck Diese Familie
fand ich in den Kirchenbüchern von. St Lamberti in Gladbeck.
Das Museum und das Archiv der Stadt Gladbeck haben Familienchroniken einiger
Gladbecker Bauernfamilien, so auch über die Familie Buschfort. Das Material
stammt von Oberstudiendirektor Dr. Bette, einem Gladbecker Heimatforscher.
Die meisten der Rüdelschen Vorfahren fand ich aber im Archiv der Stadt
Bottrop. Das Material stammt von den Familienforschern Heinrich Plöger
und Karl Schophaus, die sich intensiv mit den alten Bottroper Bauernfamilien
beschäftigt haben.
Heinrich Plöger ist mit seiner Arbeit nicht fertig geworden. Aber seine,
aus den Kirchenbüchern erforschten Stammlinien der einzelnen Bauerngeschlechter,
sind geordnet in Briefumschlägen, einzusehen. Dazu gibt es ein Buch,
in dem alle Bauernfamilien aus Bottrop aufgeführt sind und zu welchen
Familien, Forschungsergebnisse vorliegen.
Karl Schophaus hat über die alten Bottroper Bauern- und Kötterhöfe
ein Buch geschrieben, jeder Hof mit einem Lageplan, wichtigen Daten aus der
Hofgeschichte sowie alle auf dem Hof statt gefundenen Hochzeiten. Von den
Höfen meiner Vorfahren habe ich Kopien der betreffenden Seiten bekommen.
Diese Seiten habe ich neu bearbeitet und habe sie den einzelnen Familien in meiner Chronik zugeordnet. Erläuterungen zu diesem Buch folgen anschließend,
weil m.E. wichtige Informationen über die Bevölkerung wie Vollbauern,
Halbbauern und Kötter enthalten sind.(siehe weiter unten)
Außerdem hat Karl Schophaus für die „ Historische Gesellschaft
Bottrop e.V.“ ein Buch geschrieben.
„Alt Bottrop eine Darstellung der einstigen Fluren mit den Bauern - und Kötterhöfen.“
In diesem Buch hat er die einzelnen Höfe mit den Nachbarn in der näheren
Umgebung dargestellt. Dieses Buch ist 1981 erschienen und seit langem vergriffen.
Auch aus diesem Buch habe ich die betreffenden Seiten kopiert und den einzelnen
Familien zugeordnet.
Erläuterung von Karl Schophaus zu oben genannten Buch über die
Höfe in Bottrop:
Die Zeichnungen geben die Lage der Höfe wieder, sowie ihre nähere
Umgebung und angrenzende Nachbarhöfe. Als Grundlage dienten die Erstvermessungen
in Bottrop mit den Flurriss - Aufzeichnungen aus den Jahren 1822/23.
Die Höfe lagen in Bauernschaften, die je von zwei jährlich wechselnden
Vorstehern mit einem Bauerboten als Gehilfe, von alters her geführt wurden.
Es sind die 4 Bauernschaften Fuhlenbrock, Lehmkuhle, Eigen und Boy (einschl.
mit Batenbrock und Welheim). Die Fuhlenbrocker Bauernschaft war von der Lehmkuhler
Bauernschaft durch den Dorfbach getrennt. Der Dorfbach entsprang am Nathrathshof
(jetzt Nathrathstraße), lief den Schonenberg hinab parallel zur heutigen
Schützenstraße, überquerte einwenig südlich der Cyriacuskirche
die Hochstraße und führte in den Niederungen (jetzt Ehrenplatz).
Im weiteren Verlauf wird er Pickenbrock Bach genannt.
Die Bauern und Kötter entrichteten jährliche Abgaben an ihre Grundherrschaften.
Grundbesitzer waren größtenteils die adeligen Häuser Welheim,
Knippenburg, Vondern, Hove und Schlangenholt. Aber auch die Cyriakuskirche,
das Stift Essen und das Kloster Sterkrade hatten Grundbesitz in Bottrop.
Etwa l0 Kötter in der Fuhlenbrocker Bauernschaft gehörten zum Hobsgut
Schulte Nienhaus.
Die Vollbauern stellten die alte bodenständige Schicht dar. Sie befanden
sich im Besitz der größeren Höfe und umfangreicher Gemeinheitsberechtigungen.
Halbbauern und Kötter standen hinsichtlich der Hofgröße und
der Markenanteile hinter den Vollbauern zurück.
Die Freikötter saßen in der Hofessaat ihrer Gutsherrschaften (Welheim
und Knippenburg). Sie besorgten die Eigenwirtschaft dieser Häuser.
Die Hartgenossen der Fuhlenbrocker Bauernschaft und die Gemeinheitskötter
der übrigen Bauerschaften siedelten auf Gemeindegrund. Sie waren zur
Nutznießung der Heideflächen dieser Bauerschaften berechtigt.
In der Aufstellung sind früh ausgestorbene Familien, wie auch die nach
1780 entstandenen Kötterhöfe und die nach dieser Zeit sesshaft gewordenen Familien nicht aufgeführt.
Quelle: Archiv der Stadt Bottrop, Karl Schophaus.